Geld, Erfolg und Spiritualität

„Gut, dass Sie das Buch geschrieben haben, genau so etwas brauchen wir. In der spirituellen Szene haben ja alle ein Thema mit Geld!“ So wurde ich auf einem Get-together der Spirituellen begrüßt. Verdutzt schaute ich mein Gegenüber an und ging in Gedanken meine letzten Meetings durch. Da war alles dabei von Business-Anfänger bis Voll-Profi, von Hartz IV Empfänger bis Millionär, von spiritueller Beratung bis IT, von jung bis alt, und Männlein wie Weiblein.

Da gibt es den spirituellen Hartz IV-Empfänger und Gründer ohne Schreiberfahrung, der erzählt, dass er in den nächsten vier Monaten fünf Bücher schreiben werde. Das Institut, das schon in der Gründung scheiterte, da die Dorfgemeinschaft von der ungewöhnlichen Kommunikation und dem Auftritt schlichtweg überfordert war. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den erfolgreichen und wohlhabenden Unternehmer, der seine rund 25 Mitarbeiter täglich mit positiven persönlichkeitsfördernden Exkursen beglückt. Die taffe und gut verdienende Architektin mit fünf Mitarbeitern, die auf ihrem eigenen Weg der Entwicklung immer wertebewusster wurde  – ohne damit nach außen zu gehen – und es in ihrem Tun und Handeln konsequent lebt. Den Bauträger, der neue Lebensformen nicht nur Vision bleiben lässt, sondern ganz real in einem millionenschweren Projekt auf den Boden bringt. Ich denke an seine Bilanz und fange zu grinsen an, als ich erwidere: „Sind Sie sicher, dass wertebewusste Menschen ein Thema mit Geld haben? Mehr als die anderen? Ist es ist nicht ein Thema der Masse – und die Spirituellen haben es AUCH?“

Aber das Projizieren verzerrt oft den Blickwinkel, es ist bequem. So ist es leicht, jeweils auf die andere Seite zu schauen und zu sagen: „Die da“. Sind das nicht die Reichen, die knallhart sind und die andere über den Tisch ziehen? Und sind „die Spirituellen“ nicht die, die abgehoben sind und nichts auf den Boden bekommen? Ist diese Unterteilung nicht schon wieder trennend? Geht es nicht eher darum, eine Brücke zu schaffen zwischen Materie und Spiritualität, um Spiritualität auch im Geschäftsalltag zu leben? Materie, Reichtum und Spiritualität zusammenzubringen? Um die Aufhebung der offensichtlichen Gegensätze?

Meiner Erfahrung nach ist nicht überall der Stempel „Spiritualität“ drauf ist, wo „Spiritualität“ drin ist. Und umgekehrt – so dass eine eindeutige Identifikation kaum möglich scheint. Outen sich überhaupt alle? Ich denke da an meine Richterin mit schamanischer Ausbildung. An meinen Finanzberater, den Geistheiler. Die Einkäuferin im Konzern, die im Universum bestellt. Der Trader, der von Kabbala redet, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt? In der Öffentlichkeit gehen sie mit ihrer Gesinnung, ihren Ausbildungen, ihrer Entwicklung nicht hausieren. Wo fängt Spiritualität an, wo hört sie auf? Und ist sie inzwischen wirklich noch eine Minderheit? Ich meine, nein. Meine Erfahrung ist, dass inzwischen bereits die gesamte Wirtschaft bis in die Großkonzerne hinein spirituell „unterwandert“ ist. Die Dunkelziffer ist hoch und preisgegeben wird nur unter seinesgleichen. Aber gelebt wird sie trotzdem.

Und wie sehen Sie das?

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